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12. Februar 2026

Großes Interesse an Informationsabend zum Thema Wohnen – Austausch trotz kurzfristiger Absage

Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger sind der Einladung des SPD Ortsvereins zu einer Informations- und Diskussionsveranstaltung rund um das Thema Wohnen gefolgt. Im Mittelpunkt des Abends standen aktuelle Entwicklungen auf dem Wohnungsmarkt, bezahlbarer Wohnraum in Gunzenhausen sowie mögliche kommunale und genossenschaftliche Handlungsoptionen.

Im Vorfeld hatte es jedoch eine kurzfristige Absage gegeben: Die geschäftsführende Vorständin der Wohnbaugenossenschaft Gunzenhausen sagte ihre Teilnahme ab. Als Begründung wurde auf eine Weisung des Aufsichtsratsvorsitzenden, Bürgermeister Karl Heinz Fitz, verwiesen. Diese sei mit der gebotenen politischen Neutralität begründet worden.

Bianca Bauer erklärte dazu im Rahmen der Veranstaltung:

„Neutralität ist wichtig und richtig. Sie darf jedoch nicht dazu führen, dass sachlicher Austausch über eines der drängendsten Themen unserer Stadt unterbleibt.“ Es sei ausdrücklich um fachliche Fragen gegangen – um bezahlbaren Wohnraum, um die Entwicklung in den Ortsteilen und um konkrete Handlungsmöglichkeiten für die Stadt, nicht um parteipolitische Positionen.

„Wenn selbst fachliche Gespräche mit stadtnahen Akteuren in der Öffentlichkeit nicht mehr möglich sind, stellt sich die Frage, wie Transparenz, Information und Beteiligung künftig gewährleistet werden sollen.“

Gerade angesichts der Herausforderungen auf dem Wohnungsmarkt sei es notwendig, dass Verantwortliche, Fachleute und Bürgerschaft offen miteinander ins Gespräch kommen. Wohnen betreffe viele Menschen unmittelbar – Zurückhaltung dürfe nicht zu Sprachlosigkeit führen.

Unabhängig von der Absage fand die Veranstaltung wie geplant statt. Als fachkundige Gäste waren Anette Pappler, Vorstandsvorsitzende der Wohnbaugenossenschaft Altmühlfranken, Herr Jörg Archinger, geschäftsführender Vorstand derselben Genossenschaft, sowie Herr Markus Gläser, Architekt und Städteplaner, geladen.

Nach der Begrüßung führte Bianca Bauer durch den Abend und eröffnete mit einer Vorstellungsrunde. Herr Archinger gab zunächst einen umfassenden Einblick in Struktur und Arbeitsweise der Wohnbaugenossenschaft Altmühlfranken. Die Genossenschaft bewirtschaftet rund 50 Mehrfamilienhäuser mit etwa 340 Wohnungen zwischen Pleinfeld und Pappenheim. Die durchschnittliche Nettokaltmiete liegt aktuell bei 5,40 Euro pro Quadratmeter, die Warmmiete bei knapp acht Euro. Ziel der Genossenschaft sei es, dauerhaft sozial verträgliche Mieten anzubieten. Überschüsse würden nicht ausgeschüttet, sondern konsequent in Instandhaltung und Neubau investiert. Besonders betonte Archinger die hohen Investitionen in energetische Sanierungen, die langfristig Heizkosten senken und Gebäude klimafester machen.

Anette Pappler hob die enge Zusammenarbeit zwischen Vorstand und Aufsichtsrat hervor. Als Aufsichtsratsvorsitzende sehe sie ihre Aufgabe darin, die Interessen der Mitglieder zu vertreten und fachliche Kompetenz in strategische Entscheidungen einzubringen. Wohnen sei eine der zentralen gesellschaftlichen Aufgaben der kommenden Jahre. Gerade im ländlichen Raum gehe es darum, Quartiere so zu entwickeln, dass unterschiedliche Generationen und soziale Gruppen gut zusammenleben können. Energetische Maßnahmen seien häufig erst im Nachhinein spürbar – etwa durch deutlich geringere Heizkostenabrechnungen.

Herr Gläser beleuchtete das Thema aus planerischer Sicht. Er schilderte die deutliche Preissteigerung bei Eigentumswohnungen in den vergangenen Jahren. Während die Quadratmeterpreise 2017 noch bei rund 3.200 Euro lagen, bewegten sie sich inzwischen zwischen 5.000 und 5.500 Euro. Diese Entwicklung wirke sich zwangsläufig auch auf das Mietniveau aus. Seiner Einschätzung nach liege das Hauptproblem weniger in einem absoluten Wohnungsmangel als vielmehr im Mangel an bezahlbarem Wohnraum. Als wichtige Stellschraube nannte er die Anpassung veralteter Bebauungspläne, um Nachverdichtung zu ermöglichen. Die Planungshoheit liege bei den Gemeinden, allerdings seien entsprechende politische Mehrheiten erforderlich.

In der anschließenden Diskussion mit dem Publikum wurden zahlreiche Aspekte vertieft. Themen waren unter anderem die Möglichkeit höherer Bauweise, der Umgang mit Leerständen in Ortsteilen, rechtliche Grenzen bei Zweckentfremdung sowie Modelle wie das Erbbaurecht. Deutlich wurde dabei, dass wirtschaftliche Rahmenbedingungen, Förderprogramme und planungsrechtliche Vorgaben eng miteinander verzahnt sind und differenzierte Lösungen erfordern.

Ein weiterer Diskussionspunkt war die Rolle der Kommunen als mögliche Bauherren. Zwar könnten Städte grundsätzlich selbst Wohnraum schaffen, jedoch seien dafür erhebliche personelle und organisatorische Ressourcen notwendig. Wohnbaugenossenschaften verfügten hingegen über spezialisierte Strukturen in Verwaltung, Vermietung und Instandhaltung. Zunehmend gebe es Modelle, bei denen kommunaler Wohnungsbestand professionell bewirtschaftet werde.

Zum Ende des Abends wurde auch die Idee einer stärkeren Zusammenarbeit der drei Wohnbaugenossenschaften im Landkreis angesprochen. Angesichts künftiger personeller Veränderungen in den Führungsgremien könnten Kooperationen neue Chancen eröffnen und Synergien heben.

In ihrem Schlusswort dankte Bianca Bauer den Referierenden und den zahlreichen Gästen für die sachliche und engagierte Diskussion. Der Abend habe gezeigt, wie komplex die Herausforderungen im Bereich Wohnen sind, aber auch, dass Fachwissen und Lösungsansätze vorhanden seien. Der Austausch solle fortgeführt werden – offen, transparent und im Dialog mit allen Beteiligten.

Die Veranstaltung endete in konstruktiver Atmosphäre mit vielen persönlichen Gesprächen im Anschluss.

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